UAS7-Tagung 2025: Wissen. Machen. Verändern. Kommunikation als Schlüssel für Transfer
Bericht und Materialien der Tagung
„Wissen. Machen. Verändern.“ war das Motto der erfolgreichen UAS7-Tagung am 4. und 5. Dezember 2025 an der HWR Berlin. Rund 190 Teilnehmende aus Wissenschaft, Politik und Medien tauschten sich in Plenar- und Workshopformaten zur Wissenschaftskommunikation an HAWs aus. Direkt die Begrüßung der Tagung, erfrischend und authentisch moderiert von Sylke Schumann, Pressesprecherin der HWR Berlin, und Ralf Garten, Pressesprecher der Hochschule Osnabrück, integrierte eine Technik der Wissenschaftskommunikation: Keep it simple. So wurde der Co-Gastgeber der Tagung, HWR-Präsident Jens Hermsdorf, gebeten, angewandte Forschung mit einem Alltagsgegenstand zu erklären.
Sein Co-Gastgeber Frank Dellmann, UAS7-Vorsitzender und Präsident der FH Münster, sprach im Interview mit dem Moderationsteam anschließend ein Spannungsfeld an, dass sich insbesondere für die HAWs gegenwärtig in der Wissenschaftskommunikation stellt: „Als staatliche Hochschulen übernehmen HAWs einerseits durch ihre inter- und transdisziplinäre sowie transformative Forschung zunehmend gesellschaftliche Verantwortung, andererseits erfahren unsere Wissenschaftler*innen, dass gesellschaftliche Kreise genau diese gesellschaftlich relevanten Ergebnisse punktuell in Zweifel ziehen.“
Unter den staatlichen HAWs möchten die UAS7-Hochschulen mit ihrem seit 20 Jahren bestehenden Netzwerk einen Beitrag leisten, um den gesellschaftlichen Wandel gemein zu bewältigen und zu gestalten. Der Wissenschaftskommunikation kommt hierbei eine wichtige Aufgabe zu. „Kooperationen sind die neue Konkurrenz – ohne starke Netzwerke, partnerschaftliche Projekte und internationale Verbünde geht heute kaum noch etwas“, hob Sylke Schumann in ihrer Begrüßung die Bedeutung von Kooperationen innerhalb der Wissenschaft und zwischen den Hochschulen hervor.
In der Hinleitung zum ersten Programmpunkt entschuldigte Ralf Garten entschuldigte die kurzfristig erkrankte Key-Note Speakerin der TH Köln, Eva-Maria Grommes, und begrüßte Claudia Frick von der TH Köln, die kurzfristig für ihre Wissenschaftskollegin eingesprungen ist, um über Wissenschaft auf Social Media am Beispiel von TikTok zu sprechen. Nach einer datengestützten Einführung in die Social Media Nutzung der 50 größten Hochschulen (1. Platz Instagram, 2. Platz Facebook, 3. Platz TikTok) und einem Einblick in das strategische Transferverständnis ihrer Hochschule, erläuterte Claudia Frick anschaulich aktuelle Trends in der Kommunikation von Wissenschaft auf TikTok. Mit Blick auf die vier Dimensionen von Wissenschaftskommunikation stellte sie fest: „Eine Gleichzeitigkeit von Science to Public und Public to Science wäre wünschenswert.“ Angesichts von unsachlichen Kommentaren auf TikTok, die bis zu Anfeindungen von Wissenschaftler*innen in Form von Hasskommunikation reichen, sieht sie die Integrität von Wissenschaft auf Social-Media-Kanälen wie TikTok in Frage gestellt. Gleichwohl bekräftigte sie im anschließenden Austausch mit dem Publikum, dass Wissenschaftler*innen ihre Kompetenzen im Umgang mit Social Media am besten schulen, indem sie die Kanäle aktiv nutzen.



„Als staatliche Hochschulen übernehemen HAWs einerseits durch ihre inter- und transdisziplinäre sowie transformative Forschung zunehmend gesellschaftliche Verantwortung, andererseits erfahren unsere Wissenschaftler*innen, dass gesellschaftliche Kreise genau diese gesellschaftlich relevanten Ergebnisse punktuell in Zweifel ziehen.“
Prof. Dr. Frank Dellmann, UAS7-Vorsitzender und Präsident der FH Münster
Einfach mal machen? Einfach mal machen!
Das Motto „Einfach mal machen“ war auch impulsgebend für die anschließende Podiumsdiskussion entlang der Frage, wie Politik und Wissenschaft die Transformation schaffen können. Es diskutierten Ayşe Asar, Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Ausschuss für Forschung, Technologie und Raumfahrt des Deutschen Bundestages, Peter Greisler, Leiter der Unterabteilung Hochschulen im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Jens Hermsdorf, Hanna Proner, Director Science & Talent Zeitverlag, und Tilmann Warnecke, Wissenschaftsredakteur beim Tagesspiegel.
Moderator Jan-Martin Wiarda fragte eingangs, ob Wissenschaft und Politik in Bezug auf die Transformation zusammenfinden oder zwischen Wunsch und Wirklichkeit eine Lücke klaffe. Wirksame Transformation brauche vor allem aktives Gestalten, so Hanna Proner, und appellierte an die Hochschulen Kommunikation als profilbildendes Element einzusetzen. Andrea Frank hob hervor, dass insbesondere HAWs durch kollaborative Ansätze natürliche Transformationsmotoren seien. Peter Greisler verwies auf die Bedeutung politischer Orientierungspunkte im Sinne eines Kompasses, während Ayşe Asar unterstrich, dass Politik vor allem die Veränderungsbereitschaft in der Gesellschaft fördern und Zuversicht vermitteln müsse – Angst sei „der falsche Ratgeber“. Beim Blick auf die Gesellschaft wurde deutlich: Wissenschaft zu erklären allein reicht nicht. Begeisterungsfähigkeit und ideologiefreie Räume fördern das Verständnis und Engagement in der Gesellschaft. Hochschulen können hier evidenzbasierte Orientierungen bieten und zugleich junge Zielgruppen aktiv einbeziehen, merkte Jens Hermsdorf an.
In Richtung Politik wurden Erwartungen nach Verlässlichkeit, Klarheit und Transparenz formuliert – vom Umgang mit der Hightech-Agenda bis hin zu Finanzierungsperspektiven für Hochschulen. Gleichzeitig brauche es Mut zu schmerzhaften, aber zukunftsgerichteten Entscheidungen. Umgekehrt blickte die Politik auf die Hochschulen: Sie sollten ihre Rolle als lernende Organisationen stärken, Expertise bündeln und Lösungen für große gesellschaftliche Herausforderungen weiterentwickeln. Die HAWs, so Hermsdorf, seien veränderungsbereit – auch unter herausfordernden Rahmenbedingungen. Auf die Abschlussfrage von Jan-Martin Wiarda nach pragmatischen Ansätzen für die Transformation, zeichnete sich ab, dass Transformation gelingen kann, wenn Menschen Verantwortung übernehmen und einfach loslegen – ob durch lokale Bildungsprojekte, mutige politische Impulse, weniger Bürokratie, Empowerment von Entscheider*innen oder durch Hochschulen, die auf die Straße gehen, um mit Bürger*innen ins Gespräch zu kommen.




Voneinander Lernen
Anschließend kamen die Tagungsteilnehmenden an interaktiven Thementischen miteinander ins Gespräch, um von- und miteinander zu lernen. Wissenschaftler Carsten Baumgarth, der sein WissKomm-Projekt Brückenbau Marke vorstellte, erläuterte die Bedeutung des Mindsets von Wissenschaftler*innen als eine Voraussetzung erfolgreicher Wissenschaftskommunikation. Am Tisch von Matthias Echterhagen, Pressesprecher der HAW Hamburg, stellten Kolleg*innen der UAS7-Hochschulen Hamburg, Köln und München ihre Best-Practice Formate der WissKomm vor. Wissenschaftlerin Claudia Frick vertiefte Aspekte ihrer Key Note und erarbeitete mit den Teilnehmenden Lösungsansätze, um Herausforderungen in der Wissenschaftskommunikation besser bewältigen zu können. Parallel zu den Thementischen war das UAS7-Netzwerk im Podcast „ZEIT für WissKomm“ zu Gast. Im Gespräch mit Hanna Proner sprachen Frank Dellmann und Christina Kaufmann über Wissenschaftskommunikation an HAWs.
Abgerundet wurde der erste Tag mit Wissenschaftskommunikation vom Feinsten – dem Science Slam. Hinreißend moderiert von Christine Bartsch, Wissenschaftlerin an der HWR Berlin, traten in der vollbesetzten Aula drei Wissenschaftler*innen gegeneinander an. Als Gewinner ging Samir Salameh, Wissenschaftler an der FH Münster, hervor. Anschließend tauschten sich die Tagungsgäste bei kulinarischen Erfrischungen aus, vernetzten sich und ließen den ersten Tagungstag Revue passieren.


Ist Wissenschaftskommunikation Chef*innensache?
Der zweite Tagungstag begann mit einem Zwiegespräch zwischen Julia Wandt, Beraterin für Wissenschaftskommunikation, und Klaus-Martin Melzer, Vizepräsident für Forschung und Transfer der TH Wildau, zur Frage „Kommunikation in und aus den Hochschulen – Querschnittsaufgabe vs. Chef*innensache?“. Eingangs legten beide ihre Position in einem Elevator Pitch dar: Klaus-Martin Melzer sieht die Wissenschaftskommunikation idealerweise in einer Abteilung Forschung und Transfer verankert, weil diese im direkten Kontakt zu den Wissenschaftler*innen steht. Julia Wandt sieht die Wissenschaftskommunikation als Leistungsdimension an, die dort verankert sein sollte, wo die strategischen Entscheidungen getroffen werden – in den Hochschulleitungen. Im anschließenden Gespräch, moderiert von Christina Kaufmann, Pressesprecherin der Hochschule München, standen die Herausforderungen und Gelingensbedingungen für gute Wissenschaftskommunikation ebenso im Fokus wie der Erfahrungsaustausch zur Frage, welche Anreize sich als wirksam erweisen, um unter den Wissenschaftler*innen für mehr Engagement in der Wissenschaftskommunikation zu werben.




WOW wie Wissenschaftskommunikation
Im anschließenden Praxisparcours „WOW wie Wissenschaftskommunikation“ haben die UAS7-Hochschulen mit ihren Partnern das Motto der Tagung mit einer schillernden Themenvielfalt aufgenommen. Nun war es an den Wissenschaftler*innen, Kommunikator*innen, Hochschulleitungen und Vertreter*innen aus Politik und Wissenschaftsorganisationen aus den insgesamt zehn Workshops zwei auszuwählen. Ein Anflug von FOMO – Fear of Missing Out – schwebte in diesem Moment durch den Tagungsaal. So viele spannende Themen! Einige der Workshops widmeten sich dem Machen und warben für den Mut einfach mal neue Tools in der Wissenschaftskommunikation auszuprobieren, wie etwa KI-Bots für die Redaktionsarbeit. In anderen Workshops wurde Wissen zu Unterstützungsangeboten der Wissenschaftskommunikation wie etwa dem Scicomm-Support geteilt, wieder andere loteten strategische Dimensionen von Wissenschaftskommunikation aus, beispielsweise für die hochschulische Profilbildung.
Am frühen Nachmittag kehrten die Teilnehmenden, gestärkt mit einem Kaffee von der immer gut besuchten Barista-Bar, zurück in die Aula und tauschten ihre „Aha“-Momente und Erkenntnisse untereinander aus. Den Abschluss der Tagung bildete ein herzlicher Dank der Gastgeber Frank Dellmann und Jens Hermsdorf an das Organisationskomitee der HWR Berlin, namentlich Pressesprecherin Sylke Schumann und Mitarbeiterin Jana Winterberg, an das Moderationsduo, an die Kommunikationsleitungen der weiteren sechs UAS7-Hochschulen für ihre geballte Kompetenz in der Konzeption und Umsetzung der Tagung, an die UAS7-Geschäftsstelle und an alle Mitwirkenden und Gäste der Tagung.
Die HWR Berlin und die UAS7-Hochschulen danken ebenso herzlich den Sponsoren und Partnern der Tagung: MLP Finanzberatung SE, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft e.V., Berlin Partner, Hochschulallianz für den Mittelstand, Nationales Institut für Wissenschaftskommunikation und DIE ZEIT Verlagsgruppe.



Fotos: Manfred H. Vogel